(Übersetzung ins Deutsche: Teodora Tzankova)
Teodora Tzankova: Was kann man vom diesjährigen Internationalen IMPRO- Festival 2025 in Berlin erwarten, das am 1. April beginnt?
Inbal Lori: In diesem Jahr haben wir viele Ensemblemitglieder eingeladen, die zum ersten Mal beim Festival dabei sind. Wir haben talentierte Menschen ausgewählt, die auch in ihren eigenen Ländern die Impro-Szene weiterentwickeln. Wir haben sie gebeten, etwas mitzubringen, das sie beim Festival ausprobieren möchten – sei es ein bestimmtes Format zu inszenieren oder einen speziellen Workshop zu geben.
Als Zuschauer wirst du eine wunderschöne Vielfalt an Shows mit unterschiedlichen Erzählstilen erleben. Jede Show zeigt eine eigene Herangehensweise an dieses ungeskriptete Theater, das wir alle so lieben.
Zudem werden wir zwei Weltpremieren präsentieren – zwei Formate, die Hila Di Castro und Paula Galimberti speziell für das Festival mit unserem internationalen Ensemble inszenieren. Unsere Vereinbarung mit dem Publikum ist, dass jeder diese Formate später übernehmen und damit machen kann, was er möchte – sie spielen, abwandeln oder sich davon inspirieren lassen, etwas Neues zu kreieren. Wir wollen der weltweiten Impro-Community zwei neue Möglichkeiten anbieten.

Teodora Tzankova: Wie hast du die internationalen Künstler für das IMPRO Festival 2025 ausgewählt?
Inbal Lori: Ich habe Menschen ausgewählt, die ich liebe – Menschen, die talentiert sind. Einige waren noch nie zuvor bei diesem Festival. Sie alle wissen, wie man Magie erschafft!

Teodora Tzankova: Was macht das IMPRO-Festival 2025 im Vergleich zu anderen Festivals weltweit einzigartig?
Inbal Lori: Ich denke, es ist ziemlich groß – viele talentierte Künstler arbeiten gemeinsam daran, die Kunstform weiterzuentwickeln. Außerdem kommen zahlreiche Workshop-Teilnehmer, um ihre Leidenschaft für Improvisation zu teilen. Wir haben den großen Wunsch, sowohl die lokale als auch die weltweite Community zu inspirieren, damit sie voller neuer Ideen nach Hause gehen und das Genre weiterentwickeln.

Teodora Tzankova: Wie ist das Berliner Publikum im Vergleich zu Zuschauern in anderen Städten?
Inbal Lori: In Berlin gibt es eine lange und wunderbare Tradition des Impro-Publikums, dank Gruppen wie Die Gorillas und anderen, die hier seit Jahren aktiv sind. Ich finde, das Publikum ist sehr unterstützend und neugierig, aber auch kritisch.
Wir alle wissen, wie sehr es die Deutschen lieben, Feedback zu geben – und das nicht immer nur positiv. Es kann hart sein, aber irgendwie liebe ich auch diese Ehrlichkeit. Es gibt diese Haltung von: „Ich werde es nicht einfach nur mögen – ich werde eine Meinung dazu haben.“ Klar, als Künstler kann das manchmal nerven, aber aus künstlerischer Sicht ist es großartig!

Teodora Tzankova: Welchen Rat würdest du angehenden Improvisationskünstlern geben, die auf globaler Ebene auftreten möchten?
Inbal Lori: Proben! Proben! Proben!

Teodora Tzankova: Was erhoffst du dir für die Zukunft der internationalen Improvisation und des jährlichen IMPRO- Festivals in Berlin?
Inbal Lori: Ich weiß nicht, was die Zukunft für uns als Menschheit bereithält, also würde ich vorschlagen, alles Schritt für Schritt anzugehen.  Aber ich bin zuversichtlich, dass Improvisation auch in der Zukunft relevant bleibt.
Die Menschen werden immer nach Zusammenkünften suchen, die sie mit anderen verbinden – nach einzigartigen Shows, die nur in diesem Moment für dieses eine Publikum existieren. Die Intimität und Einzigartigkeit jeder einzelnen Aufführung wird gebraucht werden.
Allerdings denke ich, dass die Improvisation neue Wege finden muss, „lustig“ zu sein. Ich glaube, dass „nur lustig“ bald nicht mehr ausreichen wird. Das sehe ich in Israel bei einigen Shows, die ich im letzten Jahr gespielt habe. Sie sind lustig, aber auch schmerzhaft, nachdenklich, manchmal wütend. Sie sind lustig und kathartisch.
 
Teodora Tzankova: Kannst du uns etwas über die Impro Embassy, die internationale Showreihe an ausgewählten Donnerstagen erzählen, wo du viele verschiedene Shows spielst?
Inbal Lori: Die Impro Embassy ist ein unglaubliches Privileg, das wir dieser Stadt verdanken – dank des Ratibor Theaters. Sie sind so engagiert darin, die besten Improvisationskünstler der Welt nach Berlin zu holen. Sie unterstützen das Ganze auf unglaubliche Weise, weil sie qualitativ hochwertige Shows für ein internationales Publikum ermöglichen wollen.
Ich finde, Berlin hat großes Glück, die Impro Embassy im Ratibor Theater zu haben. Jeder sollte sich mindestens drei Shows pro Jahr aus diesem großartigen Programm ansehen! Ich weiß, das klingt fast so, als wäre ich ein Bürger einer Diktatur, der gezwungen wird, seinen Anführer zu lobpreisen, aber genauso empfinde ich es wirklich. Es ist ein Geschenk – für mich und für Berlin.